Der Enkel des Fuego: Renault Laguna Coupé GT
Vor fast dreißig Jahren erschien bei Renault das letzte Coupé. Im neuen Laguna Coupé GT wird sogar über alle vier Räder gelenkt. Ende November 2008 kommt der Enkel des Fuego zu den Händlern.

In der Vergangenheit hatte das Renault-Image mit Qualitätsproblemen beim Laguna zu kämpfen. Mit der neuen, dritten Generation des Mittelklassemodells, die im vergangenen Herbst als Limousine zu den Händlern rollte, sollte sich das ändern. Tatsächlich kam das Auto bei der Kundschaft gut an und so kam die Baureihe in den ersten vier Monaten 2008 auf insgesamt 5.225 verkaufte Modelle in Deutschland.
Herausragend beim jetzt erscheinenden Laguna Coupé, ist die in der Topausstattung GT erhältliche dynamischen Allradlenkung. Mit ihr vermittelt das Coupé eine Kurvenfreude, wie sie sonst nur mit Heckantrieb oder modernen Allradantrieben erreicht wird. Beim "Active-Drive"-System bewegt ein Elektromotor die Hinterachse über Spurstangen. Bei Geschwindigkeiten bis unter 60 km/h schlagen die Hinterräder mit maximal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein, das verkleinert den Wendekreis. Da das System aber erst ab 10 km/h funktioniert, bringt es beim Parken leider nichts. Bei hohem Tempo schlagen die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder ein, das erhöht Spurtreue und Agilität merklich. Der Fahrer behält in kritischen Situationen länger die Kontrolle.
Ein Edel-Coupé ist nichts für sparsame Fahrer, im Gegenteil, die Modellreihe wird nach oben ausgeweitet. Ganz neu ist der V6-Diesel mit 235 PS, darüber liegt ein noch stärkerer 3,5-Liter-V6-Benziner mit 238 PS. Beide sind nur mit Sechsgang-Automatikgetriebe erhältlich, und genau da hat dieser Sportler seine Achillesferse: Die Automatik ermöglicht zwar ein angenehmes und souveränes Gleiten, muss es jedoch plötzlich sportlich werden, sollte der Weg für den Überholvorgang doch lieber etwas länger berechnet werden. Weiter unten ist der Renault wahlweise mit vier Vierzylindermotoren erhältlich. Die Basisausstattung umfasst einen zwei Liter großen 16V-Reihenmotor mit Turboaufladung, der 170 PS auf ein Sechs-Gang-Automatikgetriebe stemmt. Nächsthöhere Motorisierung ist eine 204 PS starke Maschine, die auch mit Sechsgang-Schaltgetriebe zu haben ist.

Wer lieber mit einem Diesel fährt, kann auf einen 150 PS starken Selbstzünder als kleinste Variante zurückgreifen, der wahlweise mit Sechsgang-Automatik oder Sechsgang-Schaltgetriebe kombinierbar ist. Als nächsthöhere Motorisierung steht noch ein 178 PS starker Zwei-Liter-Selbstzünder in der Preisliste.
A propos Preisliste, diese beginnt bei 31.000 und endet bei 41.900 Euro. Das Reisen in dem 4,6 Meter langen Fahrzeug ist auf der Rückbank nur etwas für Kinder oder Enkel. Personen ab einer Körpergröße von 180 cm ist von längeren Mitfahrten abzuraten. Die maximale Zuladung für die Sechszylinder spricht ebenfalls dagegen. Bei vier Erwachsenen mit einem realistischen Gewicht zwischen 80 und 90 Kilogramm muss das Gepäck sowieso zu Hause bleiben. Dafür lässt sich die Rückbank sehr einfach umlegen, so werden etwa 700 Liter Platz für die Golftaschen geschaffen.
Nach Ansicht von Renault ist der Wagen ein "idealer Reisewagen in klassischer Grand-Tourisme-Tradition". Der Kenner wird am Heck eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Aston Martin DB9 bemerken, ein gewiss schmeichelhafter Vergleich, der jedoch in keinster Weise schadet. Nur der Passat CC bietet wirklich mehr Platz im Kofferraum und auf der Rückbank. Die Verarbeitung und Anmutung im Innenraum des Franzosen gefällt, lediglich der vordere Lautsprecher spiegelt sich sehr störend in der Frontscheibe. Die Sicht nach hinten ist in dieser Bauform naturgemäß sehr beschränkt.
Fazit: Die Allradlenkung ist, auch wenn sie ein wenig Gewöhnung bedarf, im Alltagsfahrverhalten des Autos auf jedenfall ein Gewinn. Auch wenn es auf dem deutschen Markt gar nicht so schlecht läuft — an die richtig guten Zeiten kann das jüngste Modell noch nicht anknüpfen. In den besten Jahren nämlich verkaufte Renault von den Laguna-Generationen eins und zwei rund 30.000 Fahrzeuge im Jahr. Im vergangenen Jahr waren es laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts ganze 6.765 Modelle.

Über den Autor
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Peter Hambach
Versicherungsfachwirt und Motorjournalist.
Seit mehr als einer Dekade bei allen Autoherstellern akkreditiert, Inhaber und eigenverantwortlicher Leiter des
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