Opel will mehr: Das Meriva Maximum

von Peter Hambach

Mehr Design, mehr Extravaganz, mehr Nutzwert, mehr Fahrspaß. Mit der ersten Generation des Meriva wurde ein neues Segment ersonnen: das der Minivans. Es war ein Erfolg, die Idee verkaufte sich über eine Million Mal und wird nun am 12. Juni in die zweite Generation gehen. Die Erwartungen von Opel sind groß. Auch der Kunde erwartet mehr. Eine schwere Aufgabe!

Opel Meriva, Seitenansicht

Die auffälligste Innovation sind seine unabhängig voneinander zu betätigenden gegenläufig öffnenden "FlexDoors"-Türen. Lange Zeit waren sie bei Limousinen üblich, weil der größere Öffnungswinkel einen einfacheren Einstieg erlaubt. 1961 wurde die "Selbstmördertüren"-Konstruktion allerdings als zu gefährlich erachtet und verboten. Wurde eine Tür während der Fahrt versehentlich geöffnet, riss es sie schlagartig nach hinten. Die Passagiere konnten im schlimmsten Fall aus dem Auto fallen. Undenkbar im Meriva, der ab 4 km/h die Türen verriegelt.

Die Neueinführung verdankt der Meriva allerdings der Konkurrenz aus Bayern. Durch den Rolls-Royce Phantom erfolgte 2006 die Wiederzulassung. Der praktische Vorteil der FlexDoors: Die hintere Tür schwenkt extrem weit auf und ermöglicht so einen ganz entspannten Ein- und Ausstieg.

An der hohen Flexibilität im Innenraum hat sich nichts geändert. Der Kofferraum ist gewachsen, fasst nun 400 bis 1500 Liter. Die Rückbank ist dreigeteilt umklappbar und ermöglicht so einen flachen Ladeboden. Die äußeren Fondsitzplätze lassen sich in der Länge verschieben und rücken, wenn ganz hinten arretiert, leicht nach innen. Das schafft zusätzlichen Platz um die Schultern. Aber daran mangelt es ohnehin nicht. Acht Zentimeter ist der neue Meriva innen breiter geworden. Die Beinfreiheit hat um 1,5 Zentimeter zugelegt. Insgesamt herrschen für einen Minivan ausgesprochen üppige Platzverhältnisse. Vorne wirkt der Meriva geräumiger, das neue Armaturenbrett ist flacher und ein Stück nach unten gerückt. Die Übersichtlichkeit nach vorne hat dank zierlicherer A-Säulen gewonnen.

Schlechter als beim Vorgänger ist die Bedienungsfreundlichkeit. Die an Astra und Insignia angelehnte Mittelkonsole ist überladen, die kleinen Tasten sind während der Fahrt kaum voneinander zu unterscheiden und schlecht erfühlbar. Besonderes Lob gebührt dagegen den sehr bequemen Vordersitzen mit langer Schenkelauflage (optionale Ergonomiesitze sind für etwa 500 Euro erhältlich). Ein erfindungsreiches Detail ist die FlexRail Schienenkonstruktion, die sich vom unteren Ende der Mittelkonsole bis zu Beinbereich der Fondpassagiere streckt. Deren Boden besteht aus Ablagemulden und Getränkehaltern. An den Schienen lässt sich unter anderem eine verschiebbare Staubox befestigen. Die kann dann genau da platziert werden, wo es die Passagiere wünschen.

Opel Meriva, Innenraum

Im Gegensatz zum alten Meriva, der auf der Corsa-Plattform aufbaute, nutzt die zweite Generation Komponenten von Astra und Zafira. Der Radstand legte um 1,5 Zentimeter, die Spur um 3,9 Zentimeter vorne und 4,5 Zentimeter hinten zu. Auch die Umstellung auf eine elektrohydraulische anstelle der elektrischen Lenkung ergibt ein völlig neues Fahrgefühl. Der Meriva wirkt stets souverän, spurt unaufgeregt und bemerkenswert leise geradeaus, lenkt satt und sauber ein. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist sehr gut gelungen: straff genug für flottere Kurvenfahrten und dabei stets komfortabel. Selbst kurze Stöße steckt der Meriva erstaunlich gewandt weg.

Zum Marktstart wird der Meriva in fünf Motorisierungen angeboten. Die drei neuen Benziner haben rund 15 Prozent mehr Leistung und sollen laut Opel etwa zehn Prozent weniger verbrauchen als die alten Aggregate. Basis ist ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit 100 PS, ohne Aufladung. Die 1,4 Liter Turbomotoren haben 120 beziehungsweise 140 PS. Als Sparvariante ist der 1,3-Liter-CDTi im Programm. 75 PS ermöglichen zwar nur eine mäßige Beschleunigung (16,9 Sekunden bis Tempo 100), dafür aber gute Verbrauchswerte (4,9 Liter/100 km). Leider gibt es noch für keine Variante ein Start-Stopp-System. Die Technik, die im Stadtverkehr bei jedem Ampelstopp Sprit spart, wird erst 2011 eingeführt. Etwas früher kommen die besonders CO2-armen CNG-Versionen auf den Markt.

Opel Meriva

Der neue Meriva startet bei 15.900 Euro für den 100-PS-Benziner und damit 800 Euro mehr als zuletzt für den Vorgänger mit 90 PS. Die empfehlenswerte 120-PS-Benzin Version ist ab 17.270 Euro erhältlich, der 140-PS-Turbo ab 20.150 Euro. Für den kleinen Diesel verlangt Opel 17.350 Euro, der 1,7er mit Automatik startet bei 19.400 Euro. Im Vergleich zum Wettbewerb ist der Opel günstig, die großen Konkurrenten Ford und VW haben kein vergleichbares Fahrzeug im Programm. Die Basisausstattung Selection umfasst eine komplette Sicherheitsausstattung, spart aber am Komfort. Die empfehlenswerte Linie Edition kostet 2.050 Euro Aufpreis, rentiert sich aber, da hier unter anderem Klimaanlage, Radio und die FlexRide-Mittelkonsole inklusive sind. Die Top-Ausstattung Innovation (weitere 1600 Euro) packt dann zusätzliche Features wie Einparkhilfe, Kurvenlicht, Sitzheizung, Nebelscheinwerfer und Designräder ins Paket. Das Sonderausstattungsangebot ist darüber hinaus umfangreich. Wie versprochen bietet die zweite Generation des Minivans noch mehr Nutzwert, Platz und praktische Details.



 
  Über den Autor

 
  Peter Hambach  

Peter Hambach

Versicherungsfachwirt und Motorjournalist.
Seit mehr als einer Dekade bei allen Autoherstellern akkreditiert, Inhaber und eigenverantwortlicher Leiter des

Redaktionsbüro PeHa
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Stuttgart
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